Der methodische Ansatz


Unter Alltag werden hier die Lebensverhältnisse und Handlungsweisen einzelner Menschen sowie von Gruppen unterschiedlicher Größe verstanden, die eingebunden sind in bestimmte religiöse, kulturelle, soziale Traditionen und der historischen Entwicklung unterliegen. Der Alltag in diesem Sinn ist Gegenstand verschiedener Fachwissenschaften, der Geschichtswissenschaft, der Philosophie, der Psychologie und der Soziologie.
Die Theologie wird hier als positive und kritische Wissenschaft verstanden, insofern sie sich auf die Ausprägung einer bestimmten Glaubensweise im Alltag der Menschen bezieht und durch die Texte des Alten und Neuen Testamentes sowie die Glaubensbekenntnisse der Kirche normiert ist. Die Theologie in diesem Sinn ist Gegenstand der exegetischen Fächer (Altes und Neues Testament), der historischen Theologie (Kirchengeschichte) und der philosophisch-systematischen Theologie (Systematik und Ethik). Die praktische Theologie wird hier aus einer bedeutsamen Tradition dieses Faches gelöst und nicht als "Technik" der Kirchenleitung  verstanden, sondern als Anleitung zu einem gelingenden Menschsein.
Aus dem Verständnis der Theologie als kritischer Wissenschaft erwächst die Frage nach den in Geltung stehenden Werten menschlichen Zusammenlebens, ihrer Aneignung und ihrer Begründungen. Mit der Veränderung von Sitten und Gewohnheiten können auch Werte ihre Gültigkeit für das Zussammenleben der Menschen verlieren.
Die konfessionell gebundenen Formen der Vergemeinschaftung sind ebenso wie andere Institutionen dem Wandel unterworfen, der z. Tl. mit dem Wegfall des Ost-West-Gegensatzes (1989), als wachsende  Internationalisierung und Globalisierung beschrieben werden kann. Von diesem Wandel sind auch  Gruppen betroffen, die lebensweltliche Voraussetzungen für demokratische und sozialstaatliche Lebensweisen pflegen. Die konfessionell gebundene Arbeitnehmerarbeit agiert in diesem Wandel. 
Ihrem Anspruch gemäß steht für die Predigt in der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde das Wort Gottes im Mittelpunkt, das Handeln Gottes an den Menschen. Zugleich wird  der Mensch durch das Hören auf die Predigt sich seiner selbst neu bewusst, sucht, entdeckt oder vermisst  die für ihn entscheidenden Bezugspunkte  zwischen dem  Wort Gottes und seinem Leben. Lob und Tadel der Predigt können so Auskunft über die Verankerung Gottes im Alltag der Menschen geben.

C. H.
Januar 2015

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