Hören der Predigt und ihre Kritik


Aus: Evangelische Pfarrer in Deutschland, 1985, S.277:

"Durch die Reformation ist der Pfarrer zum gelehrten Bürger gemacht worden, dem als solchem die Verwaltung des Pfarramtes, der Dienst am Wort anvertraut worden ist. Die Bezeichnung 'Amt' für den Aufgabenbereich des Pfarrers ist stets beibehalten worden, da die Funktion des Pfarrers in besonderer Weise als auf das Gemeinwohl bezogen verstanden worden ist und so auch öffentlich anerkannt blieb. Die Würde des Amtes lag in seiner Bestimmung, für das 'ewige Heil' der Menschen zu sorgen."

Aus: Evangelische Christen in der Paulskirche 1848/49, 1985, S.335:

"IV. 3. 1. Die Beerdigungsfeiern in Konstellationen der Revolution" ...
"IV. 3.3. Predigten und Lieder."
Zur Predigt von A. Sydow anläßlich der Beerdigung der Märzgefallenen in Berlin.
"Wenn ein Revolutionär in seinen Erinnerungen an den Tag der Beerdigung festhielt, daß die Freiheit als Gottheit gefeiert wurde, man lange nicht mehr so fromm gewesen sei, jedoch Sydow drei Monate später seine Predigt verleugnet habe, so bestätigten die Predigten die Erinnerung nur bedingt. Sydow hatte besonderen Wert auf das neue Verhältnis zum König gelegt, und Freiheits- und Einheitsideal hingen in den Predigten eng zusammen. Daß die Revolution als gegen den höfischen Pietismus gerichtet verstanden wurde, war nicht nur Sydow gegenwärtig. Er stellte deshalb die Ereignisse vermittelnd als Gewinn für die Volkssache dar. Dagegen berief man sich in der Arbeiter- und Handwerkerbewegung auf die Märzgefallenen als Bürgen französischer Revolutionsforderungen."

Aus: Vom Arbeiterverein zur EAN, 1997, S.22:

"Daß die Glaubwürdigkeit des kirchlichen Eintretens für die Arbeiterschaft bis auf die Ebene der parteipolitischen Organisation zu gehen hat, stellte Adolf Stoecker mit der Gründung der Christlich-Sozialen Arbeiterpartei unter Beweis. Wohl sah Stoecker, daß die Predigt gesellschaftliche Wirkungen hervorrufen konnte, die er in die Reihenfolge der wachsenden religiösen, rechtlichen, politischen sowie schließlich auch der wirtschaftlichen Gleichberechtigung der Menschen brachte, aber die Revolution von 1848 meinte er, als von fremdem Geist bestimmt, beurteilen zu müssen."